Projekte für die Landwirtschaft in Bremen
Die Landwirtschaftskammer Bremen setzt sich aktiv für die Weiterentwicklung und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft und des Gartenbaus in der Region ein. Dazu werden verschiedene Projekte bearbeitet, die sich mit wichtigen Themen der Bremer Landwirtschaft befassen. Diese Projekte zielen darauf ab, die Bremer Landwirtschaft zukunftsfähig zu gestalten, ökologische Standards zu verbessern und wirtschaftliche Sicherheit zu gewährleisten. Wir von der Landwirtschaftskammer übernehmen nicht nur in einigen Projekten die Projektträgerschaft, sondern unterstützen aktiv weitere Projektträger bei der Umsetzung innerhalb der Landwirtschaft in Bremen.
„Zukunft der Bremer Landwirtschaft“
Die Landwirtschaft im Land Bremen steht vor großen Herausforderungen, aber die Nähe zur Großstadt und die Innovationskraft der Bremer Betriebe birgt auch Chancen. Um die Bremer Landwirtschaft auf ihrem Weg zu mehr Resilienz, Nachhaltigkeit und Innovation zu unterstützen, hat der Bremer Senat in den vergangenen Jahren einen neuen Weg gewählt. Gemeinsam werden die dringlichsten Herausforderungen identifiziert und Lösungsansätze mit und für die Bremer Landwirtschaft getestet. So sollen neue Technologien und neue Arten des Wirtschaftens erprobt und in die Praxis überführt werden. Lösungsansätze für die unterschiedlichen und diversen Themenfelder adressierte der Bremer Senat mit einer Reihe von Beschlüssen im Verlauf der letzten Jahre:
- Entwicklungskonzept Landwirtschaft Bremen 2035 (2024)
- Handlungskonzept zur Digitalisierung in der Landwirtschaft im Land Bremen (2024)
- Handlungskonzept zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf landwirtschaftlichen Flächen im Land Bremen (2022)
Sie bilden den Rahmen für zahlreiche Maßnahmen und Projekte, die die Entwicklung einer resilienten Landwirtschaft sicherstellt und die Zukunftsperspektiven für die landwirtschaftlichen Betriebe in Bremen erhält. Mehr Informationen dazu finden Sie auch auf der Seite der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen. Folgen Sie dazu diesem Link.
Aktuelle Projekte in Bremen
Die nachfolgend beschriebenen Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Bremer Landwirtschaftsbetrieben aus der Region durchgeführt. Das Ziel besteht darin, praxisnahe Erkenntnisse zu gewinnen, die auf den teilnehmenden Betrieben erprobt und für eine Übertragung auf weitere Betriebe nutzbar gemacht werden.
- Projekt: „Gebietsangepasste Hitzeschutzmaßnahmen in Landschafts- und Naturschutzgebieten für Weidetiere – Fokus: Rinder“
Gemeinsam Lösungen entwickeln für Tierwohl, Naturschutz und Landwirtschaft
Wenn Rinder im Sommer auf der Weide stehen, gehört das für viele Menschen zu den schönsten Bildern unserer Kulturlandschaft. Weidetiere stehen für artgerechte Haltung, regionale Landwirtschaft, Naturnähe und eine lebendige Region.
Das Land Bremen weist einen hohen Anteil an Grünlandflächen auf, welche für die Landwirtschaft essenzielle Bedeutung haben und ebenso eine zentrale Rolle für den Landschafts- und Naturschutz spielen. Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen für die Landwirtschaft mit sich. Langanhaltende Hitzeperioden stellen eine Belastung für Weidetiere dar, auch in Schutzgebieten.
In Bremen ist deshalb das Projekt: „Gebietsangepasste Hitzeschutzmaßnahmen in Landschafts- und Naturschutzgebieten für Weidetiere – Fokus Rinder“ am 01. Januar 2026 gestartet.
Das Projekt zielt darauf ab, die unterschiedlichsten Anforderungen des Tierschutzes, der Landwirtschaft sowie des Natur- und Hochwasserschutzes in einer ausgewogenen Form zu vereinen. In diesem Zusammenhang ist es das Bremische Ziel, die Erhaltung und Weiterentwicklung der Weidehaltung in Schutzgebieten zu verfolgen.
In einem Dialog- und Austauschprozess werden die wichtigsten Punkte und Zielkonflikte offen benannt sowie gemeinsam Lösungen entwickelt werden, die das Tierwohl sichern, Naturschutz erhalten und die Weidehaltung in Bremen langfristig ermöglichen.
Am Projekt beteiligt sind Landwirtschaft, Naturschutz, Veterinärwesen, Behörden und weitere Fachstellen. Ziel ist ein abgestimmter Maßnahmenkatalog für Bremen. Der Ansatz ist bewusst partnerschaftlich: Nicht eine Seite entscheidet, sondern alle entwickeln Lösungen gemeinsam.
Hintergrund
Weidehaltung selbst ist in bestimmten Bereichen ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes: Ohne Beweidung würden viele wertvolle Offenlandflächen verbuschen oder ihren Charakter verlieren.
Viele Weideflächen in Bremen sind bewusst offen und gehölzfrei. Genau diese Struktur schützt seltene Wiesenvögel und wertvolle Lebensräume. Gleichzeitig fehlt dort natürlicher Schatten.
Mit zunehmenden Hitzeperioden entsteht dadurch ein Zielkonflikt:
- Rinder benötigen bei Hitze Schutz
- Offene, baumfreie Weideflächen sind essenziell für seltene Wiesenbrüter
- Das Errichten baulicher Anlagen ist oft mit strengen Auflagen verbunden
- Gleichzeitig sollen Tiere weiterhin draußen gehalten werden
Das Projekt betrachtet diese Situation nicht als Gegeneinander, sondern als gemeinsames Problem: Wie kann eine Fläche gleichzeitig als Lebensraum für Tiere, Vögel, Pflanzen dienen, während die landwirtschaftliche Nutzung darauf erhalten bleibt?
Weidetiere sind an Witterung angepasst. Ein sonniger Tag bedeutet nicht automatisch Stress. Entscheidend sind Dauer, Luftfeuchtigkeit, Wind und nächtliche Abkühlung. Dennoch nehmen langanhaltende Hitzeperioden zu. Tierhalter sind gesetzlich verpflichtet, ihre Tiere davor zu schützen. Dazu gehören je nach Situation beispielsweise Schattenmöglichkeiten und eine angepasste Weideführung.
Gerade auf schattenfreien Schutzflächen sind diese Maßnahmen jedoch nicht immer einfach umsetzbar. Viele Bremer Weiden sind Teil wertvoller Vogelschutzgebiete. Sie werden gezielt offengehalten, damit Bodenbrüter und seltene Pflanzenarten hier Lebensräume finden.
Bäume, Unterstände oder dauerhafte Bauwerke können diese Lebensräume verändern. Bremen hat eine bindende europäische Verantwortung für den Schutz von Wiesenbrütern übernommen. Deshalb müssen Hitzeschutzlösungen in den sensiblen Bereichen besonders sorgfältig geplant werden.
Warum das Projekt wichtig ist:
Weidehaltung erfüllt viele gesellschaftliche Aufgaben gleichzeitig: besonders tiergerechte Haltung, Erhalt der Kulturlandschaft, Schutz seltener Arten, Naherholung und landwirtschaftliche Wertschöpfung. Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen. Damit Tiere weiterhin draußen gehalten werden können, braucht es neue, gemeinsam getragene Lösungen. Das Projekt soll genau diese entwickeln – fachlich fundiert, verständlich und praktikabel.
Kontakt
Durchführende Projektträgerin ist die Stiftung NordWest Natur. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Rebekka Lemb, Geschäftsführerin der Stiftung NordWest Natur unter: lemb@nordwest-natur.de
- Projekt: GrazePro (Digitale Weide)
Die Bremer Landwirtschaft ist geprägt von milchviehhaltenden Betrieben mit grünlandbasierter Fütterung, wobei auch semiintensive und extensive Produktionsintensitäten in Weidesystemen von Bedeutung sind. Weidehaltungssysteme können zu Tierschutz, Umweltverträglichkeit, Klimaschutz und Biodiversität beitragen, wobei das Erreichen der genannten Faktoren stark von dem einzelbetrieblichen Management abhängig ist. Durch die Weidedigitalisierung kann es möglich sein, das Weidemanagement auch auf Hof-fernen Weideflächen, durch die Möglichkeit der Tierüberwachung, zu erleichtern und dadurch eine professionelle Weidehaltung wieder attraktiv zu machen.
Ansprechpartnerin für das Projekt ist Felicitas Kaemena, Stellv. Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unter felicitas.kaemena@lwk-niedersachsen.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Folgen Sie dazu diesem Link.
Im folgenden Video zeigen Felicitias Kaemna (Landwirtschaftskammer Niedersachsen) und André Schuhmacher (Milchviehbetrieb in Bremen) praxisnahe Einblicke vom Projekt GrazePro. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: HarvestPro (Digitaler Futterbau)
Durch eine Erfassung der schlaggenauen Ernteerträge und Nährstoffabfuhren ist ein gezielter Nährstoffeinsatz und damit eine Optimierung des Düngemanagements möglich. Zudem lassen sich qualitativ und quantitative Veränderungen in Grünlandbeständen erfassen, sodass hier durch angepasste Verbesserungsmaßnahmen Grundfutterqualitäten optimiert werden können. Um diese Daten in der Futterration und Futterplanung nutzen zu können braucht es funktionierende Schnittstellen zwischen Technik, digitalen Anwendungen und Software. Daher ist es ein Ziel, eine valide und einfach anzuwendende Schnittstelle zu schaffen, die für eine große Breite von Methoden, Programmen bzw. Betrieben anwendbar ist.
Ansprechpartnerin für das Projekt ist Felicitas Kaemena, Stellv. Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unter felicitas.kaemena@lwk-niedersachsen.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: Betriebspartnerschaften zur Entwicklung von Strategien zur Pflanzenschutzmittelreduktion
Da in der ökologischen Landwirtschaft keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel angewendet werden dürfen, liegt in den Erfahrungen um die alternativen Methoden ein großes Potential zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln im konventionellen Landbau. Durch eine geförderte Kooperation zwischen je einem ökologischen und einem konventionellen Betrieb sollen beide Betriebe jeweils von dem Wissen und den Erfahrungen des jeweils anderen profitieren und dieses in ihre Betriebsweise nach Bedarf integrieren.
Ansprechpartner für das Projekt ist Adrian Schmickler, Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen GmbH, unter: a.schmickler@oeko-komp.de
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen GmbH. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: Grünlanderneuerung
Ziel des Projektes ist die Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auf Dauergrünlandflächen in Bremen. Welche Möglichkeiten zur Grünlanderneuerung ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz verbleiben bzw. zu entwickeln sind, wird im Rahmen dieses Projekt geprüft. Mit der Neuanlage des Dauergrünlands wird sowohl hoch produktives Wirtschaftsgrünland als auch artenreiches Extensiv-Grünland etabliert.
Ansprechpartnerin für das Projekt ist Felicitas Kaemena, Stellv. Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unter felicitas.kaemena@lwk-niedersachsen.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: Einrichtung von Demonstrationsbetrieben in Bremen
Das Projekt hat das Ziel das Risiko eines negativen Einflusses auf die Biodiversität durch den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel im Pflanzenbau zu minimieren. Dieser soll durch innovative und praxistaugliche Verfahren ersetzt werden. Um diese Verfahren zu erproben und zu evaluieren, wurden Demonstrationsbetriebe in Bremen zur Erprobung alternativer Pflanzenschutzverfahren und der Sammlung von Biodiversitätsdaten eingerichtet.
Ansprechpartner für das Projekt ist M. Sc. Mohamed Salem, bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unter mohamed.salem@lwk-niedersachsen.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: Anpassung von Dauergrünland in Weide- und Schnittnutzung auf Bremer Niedermoorstandorten durch klimaschutzorientierte, zukunftsfähige Bewirtschaftungsformen in der Rinderhaltung (Green Moor II)
Ein Projekt zur Förderung naturnaher und nachhaltiger Moorbewirtschaftung. Ziel des Projektes ist es, eine zukunftsfähige landwirtschaftliche Grünlandnutzung auf Niedermoorstandorten zu entwickeln, die auf der einen Seite Treibhausgasemissionen durch Teilvernässung sowie angepassten Düngemanagement reduziert und auf der anderen Seite durch eine angepasste Weide- und Schnittnutzung die regionale Wertschöpfung erhält. Projektträger ist das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V.
Ansprechpartnerin für das Projekt ist Dr. Leena Karrasch, Stellv. Geschäftsführung, im Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen, unter: leena.karrasch@gruenlandzentrum.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite der des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremens. Folgen Sie dazu diesem Link.
- Projekt: Weidecoach:
Am 01.04.2025 startete das Projekt „Weidecoach Bremen“, durchgeführt vom Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V.. Das Projekt zielt darauf ab, die Weidehaltung im Land Bremen zu stärken und das dafür nötige Praxiswissen vor Ort zu teilen und zu stärken. Aktuell werden zwei Gruppen von Landwirt:innen gegründet, mit den Schwerpunkten der Milchvieh- oder Mutterkuhhaltung. Die Gruppen treffen sich während der Projektlaufzeit zu „Farmwalks“ auf den Weiden und auf Betrieben. Begleitet werden Sie dabei von einem ausgebildeten Weidecoach. Neben dem gemeinsamen Austausch sind auch Bildungsreisen in weideintensive Regionen u.a. nach Irland geplant. Ein individuelles Beratungsangebot (inkl. Ertragsmessungen mit einem digitalen Platemeter oder Weidetränkemonitoring) und Begleitung durch die Weidesaision sind ebenfalls Bestandteil des Projektes.
Ansprechpartner für das Projekt ist Paul Röber, Weidecoach bei dem Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen e.V., unter paul.roeber@gruenlandzentrum.de.
Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Projektwebsite des Grünlandzentrums Niedersachsen/Bremen e.V.. Folgen Sie dazu diesem Link.